Wenn ein geliebter Mensch geht, sind wir zunächst überfordert. Es ist ein Moment, in dem alles stillzustehen scheint und doch passiert etwas, womit wir uns schwertun: Das Leben bleibt nicht einfach stehen. Es geht weiter.

Etwas endet, aber vieles ist noch da. Der Tod darf uns für einen Augenblick zu ernsten, schweigsamen Marmorstatuen machen. Er darf uns erstarren lassen und uns die Worte nehmen.

Aber der Tod darf uns auch daran erinnern, dass so vieles von diesem Menschen noch da ist, dass größer, wärmer und lebendiger ist, als wir im ersten Moment begreifen.

Es zeigt sich in Gewohnheiten, die wir übernommen haben, in Gesten, die wir wiedererkennen, in Bildern, die uns begleiten, in Lebensweisheiten, die vielleicht erst jetzt einen Sinn ergeben, in Geschichten, die wir weitererzählen und in Erinnerungen, die in uns weiterleben.

Ein Mensch löst in anderen Menschen etwas aus, etwas das wir nicht vergessen, das uns Jahre, auch Jahrzehnte später noch begleitet. Es ist etwas Großes verlorengegangen. Aber es ist auch vieles geblieben.

Und genau das dürfen wir sehen. Wir dürfen das Leben über den Verlust stellen. Das klingt im ersten Moment vielleicht falsch. Aber wir dürfen uns freuen über das, was ein Mensch uns dagelassen hat.

Wir dürfen lächeln, wenn wir an ihn denken. Wir dürfen dankbar sein, dass er uns über eine Strecke unseres Lebens begleitet hat. Wir dürfen weitergehen, ohne zu vergessen, aber wir werden etwas bewahren.


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