Es gibt diesen Moment nach dem Aufwachen, diesen klitzekleinen Moment, in dem ich noch darüber nachdenke, welchen Blödsinn ich heute Nacht wieder geträumt habe, aber das Gehirn schon beginnt, mir die aktuelle To‑Do‑Liste um die Ohren zu hauen.

Der Moment, in dem mir schlagartig bewusst wird, was alles heute noch auf mich einprasseln wird, wer etwas von mir erwartet und wie ich bitteschön all diesen Erwartungen gerecht werden soll. Der Moment, in dem der Körper sagt, ich brauche Pause, aber der Tag noch nicht einmal angefangen hat.

Aber dann, Homeoffice sei Dank, stehe ich 10 Minuten später im Wald. Nicht top gestylt, nicht mal ansatzweise präsentabel, sondern in Schlabberjogginghose und T‑Shirt, ein Outfit, das ich sonst niemandem mehr zumuten würde.

Die Welt wird leise. Also sie wäre leise, wären da nicht die Vögel, die schon früh morgens übermotiviert laut in den Tag starten. Ich atme tief ein. Hier bin ich. Hier will niemand etwas von mir. Nur ein paar Hunde mit ihren Menschen kreuzen meinen Weg. Ich gehe weiter, Schritt für Schritt, und merke, wie mein Kopf langsam freier wird.

Und wenn ich dann nach Hause zurückkomme, habe ich bereits mehr als 7.000 Schritte gesammelt und das Gefühl, mir heimlich einen Vorsprung erarbeitet zu haben. Und wenn der Tag dann doch chaotisch wird, habe ich zumindest diesen einen Moment gehabt, in dem gefühlsmäßig alles gut war.

Ein Glück, dass die Natur keine Öffnungszeiten hat.


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