Unsere Küche hatte, sagen wir mal, einen gewissen historischen Wert. Irgendwann in grauer Vorzeit, oder zumindest in der Ära „Vor‑vor‑vor‑Mieter“, eingebaut, und zwar offenbar von jemandem, der Küchenplanung für ein abstraktes Kunstprojekt hielt. Ich stelle mir vor, wie dieser Mensch damals dastand, tief in Gedanken versunken: „Brauchen Küchen wirklich Arbeitsplatten? Oder reicht es, wenn wir ein paar übrig gebliebene Fronten dafür verwenden.“

Und dann diese Farbe. Dieses Braun. Dieses „Ich bin ein Schlammloch“-Braun. Geschmackssache, klar. Aber meine Geschmacksnerven haben das irgendwann nicht mehr mitgetragen.

Eine komplett neue Küche wäre natürlich traumhaft gewesen – aber mein Bankkonto hat nur müde gelächelt, sich einmal umgedreht und weitergeschlafen. Also blieb nur: Renovierung. Der Tischler soll’s richten.

Dann begann das große Termin‑Tetris: Termine finden, Termine umdisponieren, Termine bestätigen. Und zwischendurch Telefonate mit der Gemeinde, die mich ernsthaft fragte, ob ich die, für das beantragte Halte‑ und Parkverbot notwendigen Verkehrsschilder eh zu Hause hätte. Natürlich! Wer hat sie nicht im Wohnzimmer stehen? Gleich neben der Zimmerpflanze und dem Wäscheständer. Ein bisschen Deko, ein bisschen Straßenverkehrsordnung – das gibt dem Raum so einen urbanen Touch.

Vier Tage Großbaustelle. Staub, Sägespäne, organisatorisches Chaos. Ich habe irgendwann aufgehört zu putzen, weil es einfach sinnlos war. Und mittendrin zwei Katzen, die beschlossen haben, dass sie auf ihre alten Tage noch einmal abenteuerlustig werden. Jede offene Lücke wurde untersucht, Sägespäne liebevoll verteilt.

Am Ende fehlt der Gasherd und ein Regal – weil irgendwas muss ja immer fehlen – und eine Seitenabdeckung passt nicht. Aber wisst ihr was? Ich freue mich trotzdem wie ein kleines Kind über meine wunderschöne neue Küchenarmatur. Das Wasser läuft jetzt tatsächlich dorthin, wo es hingehört: in die Spüle. Nicht daneben, nicht darunter, nicht in einem künstlerischen Bogen über die Arbeitsfläche. Nein, einfach… hinein. Luxus pur.

Und jetzt sitze ich hier, starre zufrieden auf meine halb fertige, halb traumhafte Küche und verdränge , dass in den nächsten Tagen noch eine ganze Parade an Putzorgien, Spachtel-Experimenten und Malerabenteuern auf mich wartet.


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