Fasten soll bekanntlich gesund sein und den Blick auf das Wesentliche fokussieren. Na gut, dann habe ich mir gedacht, ich könnte ja auch einmal in mich gehen und auf etwas verzichten. Nur worauf? Auf Fleisch, oder Zucker oder vielleicht auf Alkohol? Vorausschauenderweise habe ich meine Fastenpläne einmal für mich behalten. Man weiß ja nie, wie lange man durchhält, bevor man sich selbst blamiert. Hier mein Fastentagebuch:
Tag 1: Es ist Mittag und ich kann voller Stolz sagen, dass ich auf alles verzichtet habe. Gut, Frühstück esse ich sowieso nie, aber ich zähle das jetzt einfach einmal als bewusster Verzicht. Beim Mittagessen habe ich zur vegetarischen Variante gegriffen. Ich fühle mich wie ein Superheld.
Tag 2: Der erste Fehlschlag. Ich konnte der Schokolade nicht widerstehen. Aber ganz ehrlich: Es war nur ein kleines Stück. Ein winzig kleines. Ein Zuckergloboli quasi. Das zählt doch fast nicht.
Tag 3: Eine weitere schmerzliche Niederlage. Salami hat meine Essenspläne durchkreuzt. Ich war schwach.
Tag 4: Ein spontaner Besuch beim Heurigen. Was soll ich denn machen? Wer bitte hat mitten in der Fastenzeit ausgesteckt. Ich bin ein Opfer der Umstände.
Tag 5: Ich bin offiziell im Verhandlungsmodus. Wein ist eigentlich nichts anderes als Traubensaft. Und Obst ist gesund. Also ist Wein gesund!
Tag 6: Eine neue Strategie muss her. Ich frage ChatGPT, was ich fasten könnte, das zu mir passt. Das Ergebnis ist ernüchternd.
Tag 7: Ich habe mich bemüht. Ich habe ein bisschen gekämpft. Ich habe verhandelt. Ich habe mich selbst belogen. Ich habe erkannt: Fasten ist nichts für mich. Ich bin ein Genussmensch, zu wenig Asket und viel zu gut darin, mir selbst alles schönzureden.
Für die Zeit bis Ostern habe ich mich dazu entschieden als Nichtraucherin dem Rauchen zu entsagen. Ich war mir sicher, dass ich das durchhalten werde. Und jetzt, wenige Tage vor Ostern, kann ich sagen: Es hat geklappt.


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