Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich beginne ungefähr eine Woche vor jeder Einladung damit, mir Gedanken über das richtige Gastgeschenk zu machen. Also „Gedanken machen“ klingt so organisiert. In Wahrheit ist es eher ein emotionales Auf und Ab.
Es soll nur eine Kleinigkeit sein. Eine Aufmerksamkeit. Ein kleines „Danke, dass Du mich in deine Wohnung lässt, ein Danke, dass Du Dir so viel Mühe damit gibst uns eine gemeinsame schöne Zeit zu bereiten.“
Ich habe gehört es gibt diese Menschen, die kennt ihr bestimmt, die betreten ein Geschäft, greifen zielsicher nach einem perfekt hübsch verpackten Geschenkset und sind fünf Minuten später wieder draußen. Wenn ich ein Geschäft betrete, dann hat das eher die Dimension eines leicht verwirrten Eichhörnchens nach dem Winterschlaf.
Ich überlege immer: Was könnte der Gastgeber wirklich brauchen? Worüber würde er sich freuen?Die Duftkerze? Die diplomatische Weinflasche? Ich will etwas Besonderes. Etwas, das zeigt, dass ich mir Mühe gegeben habe. Leider fehlt mir dafür meistens die zündende Idee.
Je näher die Einladung rückt, desto lauter wird die innere Stimme, die sagt: „Das ist nicht gut genug.“ „Das ist zu langweilig.“ „Das ist zu praktisch.“ „Das hatten wir schon beim letzten Mal.“ „Das ist zu sehr du.“ Die Selbstzweifel sind mein treuester Begleiter.
Ich sehe so viele Dinge, über die ich mich selbst freuen würde – aber ist das auch das Richtige für andere? Oder bin ich kurz davor, jemandem ein Geschenk zu überreichen, das schreit: „Ich hatte keine Ahnung, was ich tue, aber es war im Angebot“?
Und dann passiert es. Wie jedes Mal. Ich stelle ein Gastgeschenk zusammen, das aussieht, als hätte ich es im Halbschlaf, unter Zeitdruck in einem Notfallkaufrausch zusammengesucht. Eine Kerze, die mich selbst nicht überzeugt. Eine Schokolade, die ich eigentlich selbst essen möchte. Eine Flasche Wein, die ich ausgesucht habe, weil das Etikett hübsch war.
Ist das okay?
Nein. Vermutlich nicht. Ein bisschen mehr Mühe hätte ich mir vielleicht geben können.
Aber ganz ehrlich? Ich kenne mich. Beim nächsten Mal wird es genauso laufen. Das Geschenk ist nicht perfekt. Und trotzdem, der Gastgeber freut sich mich zu sehen, mich mit meinem chaotischen, liebevollen, leicht überforderten Ich. Und einem Gastgeschenk, das zumindest zeigt: Ich hab’s versucht.


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