Abends kommt Besuch. Nicht angekündigt, nicht eingeladen. Sie erscheint einfach in unserem Wohnzimmer, pünktlich um halb zehn. Jeden Tag.

Es beginnt immer gleich: mit einem tiefen Brummen. Und da ist sie wieder. Unsere Haushornisse. Ein bisschen panisch, ein bisschen dramatisch, ein bisschen „Ich wollte eigentlich gar nicht rein, aber jetzt bin ich halt da“.

Und was machen meine zwei, bereits etwas älteren Katzen? Die Katzen, die Fliegen normalerweise so lange anstarren, bis diese an Altersschwäche sterben?
Sie entdecken plötzlich ihren Jagdtrieb.
Natürlich genau dann, wenn er absolut nicht gefragt ist. Die Hornisse: Next Level. Der Endgegner.

In unseren Jagdvorschriften steht ganz eindeutig:

Fliegen jagen: erlaubt
Hornissen jagen: verboten

Aber Vorschriften sind ja bekanntlich eher unverbindliche Empfehlungen.

Wir haben jetzt ein Insektenschutzgitter. Praktisch, sinnvoll und vernünftig. Aber irgendwie vermisse ich sie.
Dieses kurze Warten, bis sie sich beruhigt hat und daran denkt, sich irgendwo niederzulassen.
Das Ritual, bei dem ich sie einfange und unseren abendlichen Gast nach draußen begleite.

Und wer weiß, vielleicht sitzt sie ja draußen, brummt leise vor sich hin und überlegt, ob sie morgen doch die kleine Öffnung nehmen soll, die den Katzen als Zugang dient, um uns wieder einmal einen Besuch abzustatten.


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