Fast genau 10 Jahre ist es her, dass ich das derzeit letzte echt bewohnte Zimmer unserer früheren Familienwohnung genehmigungsfrei betreten durfte. Die Rede ist vom ehemaligen Kinderzimmer, exterritoriales Gebiet über viele Jahre hinweg, das maximal zur Erhaltung eines Mindestmaßes an Hygiene kurzfristig freigegeben wurde.

Da der Bewohner 6 Wochen lang in Taiwan weilt, habe ich kurzerhand das Zimmer beschlagnahmt. Die Adoleszenzphase noch nicht völlig überwunden herrscht hier, meiner Ansicht nach, ein entropischer Zustand, ein Phänomen, wodurch kleinste Teilchen dazu neigen, sich im Raum zu verteilen, ein Naturgesetz, genauso wie die Erdanziehungskraft, wobei so manche Dinge wundersam die Nähe des Fußbodens suchen.  Ich habe mich aufklären lassen, dass dies Teil des Wohnambientes sei.

Aber zugegebenermaßen sind auch massive Fortschritte im Vergleich zum letzten Mal zu beobachten. Vorbei sind die Zeiten, als in der Küche das saubere Geschirr ausging, weil es sich, fein säuberlich von den Katzen vorgereinigt, im Zimmer stapelte und sich eine Ameisenautobahn durch ebendieses schlängelte. Nun geht es in kleinen Etappen dem cartesischen Chaos an den Kragen. Ich male aus, putze, sortiere aus und räume zusammen und die Pflanzen erfreuen sich vorübergehend über eine Lichttherapie.

Danach werde ich den Karton, in dem die abgeräumten Dinge derzeit schlummern ins Zimmer stellen und schließe Wetten ab, wie lange es dauert, bis die Entropie zuschlägt und das Wohlfühlchaosambiente wieder hergestellt ist.


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